Home / Projekte / Bijou

Bijou

Der Bijou ist ein Röhren-Kopfhörerverstärker. Es ist ein OTL (output transformer less)-Verstärker, d.h. es wird kein Ausgangstrafo verwendet. Die Schaltung ist ein Futterman-Design. Einige Infos zu Futterman findet man bei Wikipedia. Entwickelt wurde die Schaltung von Alex Cavalli. Auf seiner Webseite kann man noch weitere Details zur Entwicklung der Schaltung nachlesen.

Teilebeschaffung

Man kann nur die Platinen oder ein Kit mit allen Teilen bei Glass Jar Audio bestellen. Falls der Bijou nicht im Shop gelistet, einfach mal eine Mail schreiben. Die Potis sollte man abbestellen und hier kaufen, sonst bekommt man evtl.welche mit 1/4" (6,35 mm)-Achse, was für die bei uns üblichen 6 mm-Knöpfe zu groß ist. Als Trafo wird der Hammond 370DAX empfohlen, den man z.B. bei Tube-Town bekommt. Leider auch recht teuer. Bei günstigem Dollarkurs kann man ihn auch in den USA bestellen. 19% Einfuhrumsatzsteuer und AFAIR 2% Zoll sollte man aber zum Preis dazurechnen. Ich hatte meinen auch in den USA bestellt und so ca. 20 EUR gespart.

Bei den Röhren würde ich für V2 die ECC99 nehmen. Die 6N6Pi ist nur noch als NOS erhältlich und braucht mehr Strom, was dazu führt, dass sich die Spannung nicht auf 250V einstellen lässt. Man könnte jetzt als Gleichrichterröhre die EZ81 anstatt der EZ80 einsetzen, die weniger Spannungsabfall hat dafür aber mehr Heizung (1A anstatt 0,6A) braucht. Insgesamt braucht der Verstärker also mehr Strom und wird wärmer. Die ECC99 gibt es auch als Neuware, ebenso die andere Verstärker-Röhre (6922 oder ECC88 oder E88CC). Die Gleichrichterröhre im Netzteil (EZ80 oder EZ81) gibt es AFAIK nur als NOS, hier sollte man vielleicht eine oder zwei als Reserve beschaffen. Hier fragt man sich sowieso, warum man nicht gleich Gleichrichterdioden genommen hat ;-)

Aufbau

Der Aufbau des Verstärkers gestaltet sich an sich recht problemlos. Die Platinen sind schnell bestückt. Man sollte aber gleich die Modifikation an der Heizung vorsehen und die entsprechenden Teile auf der Netzteil-Platine nicht bestücken. Falls man die Röhren oben aus dem Gehäuse rausschauen lassen will, kann man die Platine einfach auf der anderen Seite bestücken. Da es eine doppelseitige Platine ist, ist das auch kein Problem. Je nachdem, wie weit die Röhren rausschauen sollen, reicht es, nur die höheren Bauteile auf der anderen Seite zu bestücken.

Der kompliziertere Teil ist die Verkabelung. Hier sollte man sich genau an die Angaben auf der Webseite des Entwicklers halten. Wie ich feststellen musste, sollten auch die Massekabel, die zum Massepunkt gehen, nicht zu dicht am Trafo vorbei geführt werden. Das kann schon zu Brummen führen.

Der Trafo hat sehr viele Anschlüsse, von denen gar nicht alle benötigt werden. Um die überflüssigen Kabel, die ja auch teilweise sehr hohe Spannungen führen können, sauber verstauen zu können, habe ich eine kleine Platine mit Target!3001 entworfen:

370DAX.T3001 99,34 kB

Damit kann man alle Kabel sauber anschliessen und es werden gleich die richtigen Verbindungen für 230V hergestellt.

Die 230V-Beschaltung für den Trafo fehlt auf der Hersteller-Webseite, ist aber leicht aus der Beschreibung der Wicklungen herauszulesen. Man muss BRN und BLK verbinden und die Netzspannung an BLU/YEL und WHT anschliessen. Damit hat man eine 110V- und eine 120V-Windung in Reihe geschaltet und kann so 230V anschliessen.

Gehäuse

Das Gehäuse ist ein GX388 mit optionaler 10 mmm starker Frontplatte sowie einem ebenfalls optionalen Deckel aus 3mm Alu. Frontplatte und Deckel wurden bei Schaeffer bearbeitet. Die Knöpfe sind von THLAudio, R5025 in silber. Die Knöpfe sind allerdings recht teuer, $25. Mit Versand kam ich auf 45 EUR für zwei Knöpfe.